Sonntag, 14. Juli 2013

Vom Loslassen...


Die letzten Tage in Uganda brechen an und es hat sich ein seltsames Gefühl in meinen Kopf geschlichen. Langsam und ohne es zu merken hat es angefangen: Eines Nachts, es ist nun schon ein paar Wochen her, träumte ich urplötzlich zurück in Deutschland zu sein. Ich saß im Garten vor dem Haus meiner Eltern und wunderte mich wie es so schnell und überraschend geschehen konnte. Doch dann nahm mich eine tiefe Traurigkeit ein. So viele Dinge kamen mir in den Sinn, die ich vor meiner Rückkehr erledigt haben wollte. So viele Fotos wollte ich noch schießen, so viele Tage noch genießen, so viele Dinge noch sehen und eigentlich überhaupt noch nicht gehen.
Am darauffolgenden Morgen hatte ich die Bilder des Traums noch glasklar vor Augen und freute mich noch hier, noch in Uganda zu sein.
Dieses Gefühl des Nicht-loslassen-wollens begleitet mich durch die letzten Tage. So viel habe ich gelernt, so viel gesehen, so viel erlebt, mich sooft ausprobiert, mich studiert, jeden Tag genossen. Dieses Jahr ist zu einem der wichtigsten Abschnitte meines Lebens geworden und nun soll es zu ende gehen? Noch fällt es mir schwer, das zu akzeptieren.

Ich stelle mir mein Leben vor wie einen Weg, der sich durch die Landschaft bahnt. Der sich über grüne Wiesen erstreckt, über tosendes Wasser erhebt und über steile Berge schlängelt. Uganda hat sich anfangs wie ein Umweg angefühlt. Es war wie die Kostprobe eines anderen Weges – sich plötzlich auf einem ganz anderen Pfad zu bewegen, ein anderes Leben zu führen und nun zurück auf den „alten“ Weg zu müssen.
Doch dieses Jahr ist wohl viel eher ein Bestandteil meines Weges, weder Umweg noch Abkürzung, sondern ein Abschnitt. Es ist wie eine besonders schöne Landschaft. Ich gehe staunend, genießend und diese Schönheit aufsaugend, dahin. Immer wieder blicke Ich zurück und erfreue mich über den Anblick. Doch umso weiter ich gehe, umso deutlicher sehe ich die im Vergleich, nur üppige Gegend, die bald vor mir liegen wird.
Doch ich weiß, dass wenn ich auf diesem Teil des Weges verharre, die Landschaft bald ihren Glanz verliert, ihre Schönheit und Besonderheit zur Normalität wird.

Mit jedem Tag, der vergeht, verliert diese Landschaft schon ihre Anmut. Dinge, an denen ich mich vorher selten angestoßen habe, stören mich nun öfter. Das ständige Besonders-sein, die nicht aufhörende Sonderbehandlung als Muzungu und anderen kleinen Dingen.
Denn so ungern ich noch an den Abschied denke, so sehr weiß ich, dass ich zurück nach Deutschland gehöre. Erstmal jedenfalls...

Montag, 1. Juli 2013

Ugandischer Juni

Hier kurz und knapp mein Monatsbericht:


Man kann das Ende dieses wunderbaren Jahrs schon spüren. Die letzten zwei vollen Monate sind angebrochen und ich beginne oft zurückzudenken, an das was ich erreicht habe und was ich in diesen 12 Monaten auf die Beine stellen wollte. 10 Monate sind eine so lange Zeit und vieles hat sich in dieser Zeit verändert - speziell bei mir persönlich.

Der Juni war ein sehr turbulenter Monat. Projekte außerhalb meiner Schule nahmen mich so in Anspruch, dass ich erst zwei Wochen nach Ferienende konstant an meiner Einrichtung arbeiten konnte. Vieles habe ich noch vor: so werde ich ab der ersten Juliwoche den Lehrern Unterricht mit den gespendeten Laptops aus Deutschland geben, einen Sandkasten bauen und einige Spielgeräte zum Repartier der Schule hinzufügen. Doch größtenteils werde ich wieder in der Klasse der taubstummen Kinder assistieren, wie ich es schon in den vorherigen Monaten getan habe. Andernfalls gibt es wenig neues von meiner Schule.

Im Juni musste ich große Entscheidungen treffen: Was werde ich studieren? Wo möchte ich gern studieren? Aber die größte und schwierigste aller Fragen war: soll ich sofort nach Uganda anfangen oder doch erst nächstes Jahr? Immerhin komme ich 'erst' am 8.9. wieder, was mir etwas mehr als 3 Wochen gibt, alle Vorbereitungen auf die Universität zu erledigen. 
Nach reichlicher Überlegung bewarb ich mich schließlich zögerlich bei einigen Universitäten in Berlin auf ein Lehramtsstudium und mittlerweile bin ich sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. Nichtsdestotrotz fällt es mir schwer an meine Zukunft in Deutschland zu denken, denn der Lebensstil hier in Uganda ist ein völlig anderer. 

Momentan warte ich sehnsüchtig auf ein neues Objektiv aus Deutschland, um einigen Videoprojekten nachzukommen, die schon seit längerem in Planung sind.
Ich bin gespannt, was der Juli so für mich bereit hält. 

Samstag, 1. Juni 2013

In einer meiner früheren Post habe ich euch geschrieben, dass ich zwei kleine Filme gemacht habe, mit denen wir mehr als 2000 Euro gespendet bekommen haben. Seit mehreren Tagen versuche ich sie hochzuladen, doch es ist eine wahre Herausforderung eine schnelle Internetverbindung zu finden. Endlich, endlich habe ich es geschafft! Schaut sie euch mal an...

PS.: Natürlich würden wir uns über jegliche weitere Spende riesig freuen! > elias.domsch@googlemail.com



Montag, 27. Mai 2013

Ugandischer Mai...

Hier gibts nun meinen kurzen Monatsbericht für euch:

Ugandischer Mai...

Mit viel Abwechslung ging der Mai zu Ende - viel zu schnell.
Alles begann sehr hektisch und arbeitsintensiv mit den Vorbereitungen für ein Benefizkonzert in Deutschland. Ich wurde von Jakob angefragt, ob es möglich wäre für die Veranstaltung zwei kleine Clips über die Victorian High - und die Children Welfare School zu drehen. Also zückte ich die Kamera und ging auf Bilderjagt. Darauf folgte das Zusammenschneiden und Einfügen von Informationen, wobei ich tatkräftig von Valentin unterstützt wurde. Es ist nicht einfach ohne eigenen Laptop an einem Projekt zu arbeiten, bei dem man definitiv einen Computer braucht. Nach ein paar Tagen harter Arbeit waren beide Filme fertig. 
Ich werde sie sehr bald hochladen, wenn ich Zeit und schnelles Internet finde, damit ihr euch ein Bild machen könnt.
Anschließend ging es ans Gestalten einiger Flyer; ebenfalls für das Konzert. Wenige Tage vorher konnte ich alles fertigstellen.
All die Arbeit hatte sich gelohnt. Viele Leute bekamen großes Interesse in die Schulen und unsere Projekte. So großes Interesse, dass mehr als 2000€ gespendet wurden. Das Geld wurde geteilt und auf beide Schulen verteilt. Die Victorian High School bekam endlich das lang ersehnte Wasserrinnen- und Tanksystem. Der Children Welfare School wurden die umgerechnet ca. 3.000.000UGS zur freien Verfügung gestellt. Höchstwahrscheinlich wird damit ein neues Haus gebaut, um mehr Schülern eine Unterkunft bieten zu können.
Die Ferien in Uganda waren schon längst angebrochen und so ging es mit Albert, Jakob, Lorenz, Rebekka, Robin und Saskia auf Reise um den Norden Ugandas zu erkunden. Es waren schöne Tage mit den anderen Volontären. Direkt im Anschluss bekam ich Besuch aus Deutschland. Meine Mama und Anne kamen den weiten Weg nach Uganda. Es waren wertvolle und interessante Tage mit den Beiden. Wir genossen tolle Tage in der Nähe von Fort Portal und Umgebung.
Meine Schule sollte am 27.05 wieder beginnen, doch überraschenderweise fand ich sie abgeschlossen, leer und verlassen vor. Da ich keine Informationen bekommen habe, gehe ich einfach davon aus, dass sie kommende Woche beginnen wird. Ein genialer Zufall, denn nun habe ich genügend Zeit mich um das Newspaper der VHS zu kümmern und einige andere kleine Angelegenheiten fertig zu stellen.
Voller Vorfreude und Tatendrang schaue ich dem Juni entgegen. 
Wenige Monate trennen mich noch von Deutschland. Man kann den Abschied schon fühlen. Mit jedem Tag wird mein Herz etwas schwerer - dieses geniale Jahr wird zu Ende gehen. Ich werde gewachsen und reifer vielen wertvollen und wichtigen Erfahrungen nach Hause zurückkehren. Grund mehr, die letzten Monate auszukosten und jede Minute zu genießen. 
Wobei, 105 Tage ist noch ziemlich viel Zeit. Am 8.9 habt ihr mich wieder...

Dienstag, 7. Mai 2013

Halbjahresbericht - Wie ein Tag

Etwas verspätet poste ich euch meinen Halbjahresbericht, den ich an Weltwärts schicken musste:  

Mit der letzten Sekunde wechselt das Ziffernblatt auf 6:30am. Der Wecker, der die gesamte Nacht geschwiegen hat, erwacht zum Leben und reißt mich mit penetranten Tönen aus dem Schlaf. Blind und wild um mich schlagend suche ich die erlösende Taste auf der Uhr. Es lässt für die nächsten fünf Minuten die Nacht in mein Zimmer zurückkehren. Doch der Tag krischt durch jeden Schlitz und Spalt im meine Welt, Töne prasseln gegen mein Fenster und fallen in Scherben auf mein Bett, in dem ich nun mürrisch bereit bin aufzustehen. Die Schweine und Hähne vor unserem Haus haben ihre morgendliche Symphonie begonnen. Weit entfernt hört man die blärrende Megaphonestimme eines Milchverkäufers. Ich greife nach dem Handtuch, schnappe mir den Eimer und gehe unter freiem Himmel duschen. Das Schwarz der Nacht färbt sich langsam zu rot und orange bis bin zum hellen blau des Tages. Toast und schwarzer Tee füllen meinen Magen, während der Großteil meiner Gastfamilie sich Richtung Schule auf dem Weg macht. 7:30am sitze ich auf meinem Fahrrad und radel' durch die erwachenden Straßen Entebbes....

Entebbe hat sich im Laufe der Monate stark verändert. Als ich nach Uganda gekommen bin, war ich voll von Euphorie. Alles war neu. Jeder Zentimeter war Neuland und mir fiel es schwer den Mund vor Begeisterung zu schließen. Doch mit jeder vergehenden Woche wurde die Welt um mich "normaler". Alltägliche Dinge, wie Bodha fahren, springende Affen vor meiner Haustür haben, Chapati genießen, Leben in jeder Straßenecke entdecken, andere Lebensweisen probieren und an jeden erdenklichen Ort Menschen kennenzulernen, mussten erst alltäglich werden. Das führte so weit, dass ich nach vier Monaten eine Woche mit einer tiefen Alltagskriese schob, in der mich einige Dinge sehr störten: das ständige Verhandeln nach niedrigeren Preisen, das ständige Schwanken zwischen Hektik und Faulheit, die seltsam aufgezwungene Offenheit in meiner Gastfamilie, das penetrante Fernsehen und das fortwährende Angesprochen werden. In dieser Zeit sehnte ich mich manchmal stark nach Deutschland und vermisste viele Dinge, die bei uns zum Alltag gehören. Ich weiß nicht genau, wie ich diese Phase nach fünf oder sechs Tagen überwunden habe, aber seit dem genieße ich meine Zeit hier um so deutlicher. Mir sind sowohl die "negativen" als auch "positiven" Seiten an Uganda bewusst. Ich würde es als Zustand zwischen Euphorie und Alltagsempfinden beschreiben. Es ist interessant mich im Diagramm des Kulturschockes zu finden. Es sind keine neuen Häuser entstanden oder Straßen gebaut wurden, die Entebbe anders aussehen lassen würden. Es ist mein Kopf der dieses wunderbare Land mit viel offeneren und klareren Augen betrachtet.

...Eine halbe Stunde rauscht die morgendliche Welt an mir vorbei, bis ich durch das Eingangstor meiner Einrichtung fahre...

Meine Einrichtung, eine Primary School für rund fünfzig geistig und körperlich behinderte Kinder, wurde mir vor Beginn meines Jahres als problematisches Arbeitsfeld vorgestellt. Die Gebäude im schlechten Zustand, die Lehrer mangelhaft, die Schüler schwierig und die Herausforderung riesig. Zu meiner Überraschung kam ich an eine Schule, die im Gegensatz zu anderen Bildungseinrichtungen ein einigermaßen funktionierendes Schüler-Lehrer-Verhältnis hat, die in gutem Zustand war und deren Kinder eine sehr angenehme Arbeitsstimmung geben. Ich fühle mich ausnahmslos willkommen, wichtig und gebraucht. Drei Eigenschaften die ich für mich mittlerweile sehr schätze, denn der persönliche Start begann mit einer großen Hürde. Während alle Volontäre um mich herum nur einige Unterrichtsstunden die Woche gaben, war ich jeden Arbeitstag von 8 bis 16 Uhr an meiner Schule und kämpfte lang mit dem Gefühl, dass ich durch meine "Isolation" einiges verpasse. Mit der Zeit und durch viele Gespräche änderte sich dieses Bild. Ich gehe nun sehr zufrieden zur Arbeit.

...Kinder laufen auf mich zu und begrüßen mich stürmisch. Vier unter ihnen lachen und freuen sich lautlos. Sie gehören zu der Klasse, in der ich nun schon zwei Monate assistiere. Es fiel mir nicht schwer die Gebärdensprache in ihren Grundlagen zu erlernen und es bereitet mir jeden Tag Freude, wortlos zu kommunizieren und zu unterrichten.
Ich besitze keinen Stundenplan. Englisch und Mathematik sind die zwei Fächer, an denen ich mich grundsätzlich versuche. Doch in den meisten Situationen, in denen ich vor der Klasse stehe, agiere ich nach den Plänen und Anweisungen meines Co-teachers. Selten unterrichte ich völlig nach eigenem Maßstab. Dennoch versuche ich stets meine Ideen und Änderungsvorschläge einzubringen...

Als ich noch in Deutschland war freute ich mich auf die Gelegenheit, Lehrer zu sein. Ich formte Träume und Erwartungen. Doch meine Meinung über diese Gelegenheit änderte sich schnell. Wie ich nun finde, ist es als unausgebildeter Abiturient nicht in meinem Ermessen, meine Co-Lehrerin zu bevormunden oder alleinige, unbeaufsichtigte und anweisungslose Stunden zu fordern. Vielmehr möchte ich als Mitarbeiter wirken, der neue Ideen und Anregungen ins oft starre Unterrichtsleben bringt. Gespräche über deutsche oder andere internationale Lehrmethoden bewegen viel. Innerhalb meines halben Jahres habe ich in zwei verschiedenen Klassen unterrichtet. Da einzelner Unterricht nicht möglich war, wurde mir die Wahl zwischen den Klassen freigestellt. Ich entschied mich für die ohne Zweit-Lehrer, wo ich mich am sinnvollsten fühlte. Ich fand ich in einer durchmischten kleinen Klasse wieder, sie mir sehr ans Herz wuchs. Im neuen Term 2013 wurden die Klassen neu aufgestellt und ich saß vier taubstummen Kindern gegenüber. Innerhalb dieser Zeit hat sich viel in der Struktur des Unterrichts und dem Vermitteln und Lehren getan ohne das ich Veränderung verlangte. 

...So vergeht der Vormittag recht schnell und bevor ich es realisiere, steht ein dampfender Teller Poscho und Beans, dem traditionellen Schulessen in Uganda, vor mir. 
Die Nachmittage sind sehr abwechslungsreich. Abhängig von Wetter und Stimmung der Schüler beschäftige ich sie in den unterrichtslosen Teil des Tages hinein. Vom Memory über Malen und Zeichen bis hin zu Fußball reicht das Repartier des Nachmittagsangebotes. Oftmals ist das leider eine problematische Angelegenheit jeden Schüler einzubeziehen. Jedes Kind hat eine differenzierte Behinderung, die es unmöglich macht, einige dieser Angebote zu nutzen. Aus diesen Gründen ist es schwierig Kompromisse zu finden, weshalb mein Nachmittagsprogramm oft aus Projekten in und um die Schule besteht...

Innerhalb meiner Schule war ich größtenteils an Baumaßnahmen beschäftigt. Mein erstes Projekt war eine Wäscheleine, was nach nun 6 Monaten etwas hilflos erscheint, mir als Start aber sehr geholfen hat, einen Anfang zu finden. Ebenso wie der Bau von kleinen transportablen Fußballtoren. Ich strich die Schule und Spielgeräte, bin über der Reparatur der Schaukeln und an vielen anderen kleinen Dingen beschäftigt. Seit einigen Wochen ist eine neue Freiwillige an meiner Schule, durch welche ich viele neue Anregungen gewann. Doch größtenteils findet meine Arbeit und mein Wirken innerhalb der Klassen statt. Außerhalb der Klassenräume lässt sich mit meinen Mitteln wenig bewegen, doch dafür innerhalb umso stärker und nachhaltiger. 
Nachdem meine Arbeit getan ist, fahre ich oftmals zur Victorian Hight School, der eigentlichen Schule meiner Entsendeorganisation, und engagiere mich in kleineren und größeren Projekten. Ebenso wie in Projekten außerhalb beider Schulen.

...Die Sonne schiebt sich nun schon dem Horizont entgegen. Atemberaubende Naturgewalten vereinigen sich im Abendrot. Der blutrote Ball versinkt in einer tiefschwarzen riesigen Wolke, in der es jeden Augenblick grell weis blitzt. Wieder auf dem Fahrrad taste ich mich durchs Dunkel Richtung Kabale, dem Ort meiner Gastfamilie. Zwischen 8pm und 9pm bin ich zu Hause, dusche diesmal in lauwarmer schwarzer Nacht und genieße die Zeit in meiner Familie.

Das "Genießen" mit meiner Gastfamilie hat in Uganda einen sehr speziellen Charakter bekommen. Ich bin der erste Freiwillige und Weiße im diesem Haus und es gab hohe Ansprüche am mich und mein Dasein. Ich, wie auch meine Gasteltern, wurden vor zahlreiche Problematiken gestellt. So waren viele Ansichten und Verhaltensweisen grundsätzlich verschieden und die anfängliche Verschlossenheit auf beiden Seiten hat zu einer unharmonischen Stimmung geführt. Der Lösungsweg war Kommunikation. Doch auch wenn es nun ein sehr angenehmes und vertrautes Verhältnis ist, wünsche ich mir oft tiefere Gespräche. Aber mein Jahr ist noch lang und viele Gelegenheiten in diese Richtung werden noch kommen. 

...Wenn ich dann abends im Bett liege und versuche Tagebuch zu schreiben, muss ich etwas traurig feststellen, wie schnell der Tag vergangen ist. Die Zeit in Uganda schein andere Sekunden zu haben. Die vergangen sechs Monate verstrichen wie ein einziger Tag und kommen mir doch viel ein halbes Leben vor. Ich schaue felsenfest in die kommenden Monate und gehe mit zunehmender Motivation neue Projekte an.

Montag, 6. Mai 2013

Verschollen...

Dieser Eintrag ist meiner Familie gewidmet, speziell meiner Mama, aber auch an alle, die sich von mir vergessen fühlen.

Dies ist ein Nachtrag meines letzten Posts, da mir nach einer Mail meiner Mam die Tragweite deutlich wurde. Eins vorweg, bevor ich beginne: ich werde versuchen zu erklären, warum es so still um mich wurde, was ich schon gestern versucht habe, mir allerdings erst heute die Problematik richtig deutlich wurde. Mir ist klar geworden, dass diese Tatsache aus eurer Sicht sehr schwer zu verstehen ist, dass keiner, der je längere Zeit fern der Heimat war, in der Lage ist meinen Erklärungsversuch nachzuvollziehen...

Ja, es ist wahr, dass ich Deutschland ausgeblendet habe - ziemlich ausgeblendet habe. Ich hatte keine guten Möglichkeiten nach Deutschland zu schreiben und habe mich, zugegeben, darauf ausgeruht. Ich habe Uganda, mein Leben hier, meine Beziehungen, meine Freundschaften, all die Freiheit und Unbeschwertheit zu sehr genossen und ich habe mich auf ganz andere Weiße neu kennengelernt. Ich habe es so sehr genossen und mich so in den Vordergrund gestellt, dass Deutschland, dass mein gesamtes Leben vorher unreal, ja fast unwichtig geworden ist. Ich habe mich von anderen Seiten, aus anderen Sichtweisen kennengelernt. Manches mal habe ich mit meinen Eltern telefoniert und über Dinge diskutiert, die vorher schon immer klar waren und feststanden. Uganda, das EIGENE Leben hier hat vieles in mir locker gerüttelt, hat mich in vielen Dingen verunsichert. Ich bin durch einen langen und teilweise schmerzhaften aber interessanten und wichtigen Selbstfindungsprozess gegangen, der mich weit von euch weggedrängt hat. Ich habe mich mit ganzen Herzen und Bewusstsein auf dieses Land, dessen Kultur eingelassen. Es ist ein eigenes Leben, eine eigene Biographie in Uganda entstanden, die mich mehr als je zuvor gefestigt hat. Man ist in das Leben, den Alltag, plötzlich viel intensiver eingebunden, dass man seine Heimat sehr leicht vergisst - Das man sich immer weniger Zeit für 'Deutschland' nimmt. Das wurde bei mir sogar noch bestärkt, durch das Gefühl des ständigen Gebens. Ich schrieb Blog, ab und an auch persönliche Nachrichten, doch bekam nur sehr selten Feedback. Ich möchte an all die ein riesen Entschuldigung senden, die den Kontakt zu mir gesucht haben und immer noch auf Antwort warten. Ich werde schnell und bestmöglich antworten.
Ich höre von meiner Mam immer öfter, dass sich Freunde und Bekannte bei ihr melden, nach mir fragen und wissen wollen, warum es so still geworden ist. Bitte fühlt euch nicht angegriffen oder zu nahe getreten, aber ich habe eine Mailadresse, ein Postfach und eine Telefonnummer unter denen ich erreichbar bin. Es würde mir leichter fallen, die Verbindung nach Deutschland lebendig zu halten, wenn sie auch durch euch lebendig gemacht wird. Es fällt mir schwer euch zu schreiben, auch dieser Eintrag kostete mich an halben Tag, weil ich nie weis, was ihr mitnehmt, was ihr lest, ob ihr lest, was ihr wissen wollt, was euch wichtig ist. Deutschland, die Realität dort, meine Freunde, meine Bekannten, ja selbst meine Familie ist mir so fremd geworden, weil alles so fern ist - nicht greifbar. In den nächsten Wochen und Monaten werde ich mein bestes geben, vieles aufzuholen und der Verbindung neues Leben einzuhauchen. Aber dazu brauche ich eure Hilfe!
Euer Elias.

PS.: Josia, mein liebster kleiner besonderer Bruder, du sollst separat erwähnt werden. Es tut mir furchtbar leid, dass ich alles so vergessen habe. Meine letzten 2 Wochen sind völlig in den Vorbereitungen eines Benefizkonzertes in Berlin untergegangen, was mich viele Nerven und eine Menge meiner Zeit gekostet hat. Letztlich war es aber ein voller Erfolg und uns wurden rund 2000€ gespendet. Ich werde mir nun viel Zeit für dich nehmen und es ist auch schon ein besonderer Brief an dich unterwegs. Bitte verzeih mir und es mir nicht allzu übel. Fühl dich doll umarmt, dein großer Bruder.

Sonntag, 5. Mai 2013

Neue Heimat...

Es fällt mir schwer einen Anfang zu finden. Wo soll ich nach all der vergangenen Zeit beginnen?
Entschuldigung. Nach all den Monaten, in denen ich euch nicht an meinen Leben hier hab teilhaben lassen ist es wohl das Mindeste um Verzeihung zu bitten. Es hatte einige Gründe, warum es so still um mich geworden ist. Ich werde versuchen euch zu erklären, was sich geändert hat, das mich so lang hat schweigen lassen:

Ich bin durch eine interessante Zeit gegangen. Uganda hat mich komplett eingenommen, mich komplett aufgenommen, mir das Gefühl einer neuen Heimat gegeben. Stell dir vor, du hockst bei dir zu Hause und deine Freunde warten auf Neuigkeiten von dir. Natürlich macht es Facebook recht einfach, mitzuteilen, dass man gerade einen leckeren Tee genießt, ihn verschüttet hat, gern einen solchen genießen würde, wenn der Wasserkocher nicht so weit weg stehen würde. Aber reichen solche 'Sinnlosigkeiten' aus, einen Eintrag, eine kleine Geschichte zu schreiben? Wenn alles um einen normal erscheint, über was dann schreiben? Über die Zeit habe ich völlig ausgeblendet und schließlich vergessen, dass meine Umgebung einzig und allein für mich normal geworden ist.

Mein Alltag hat sich sehr verändert. Während ich vor ein paar Monaten noch viel freie- oder besser gesagt ungenutzte Zeit hatte, in der Ich Berichte und Geschichten schrieb und Kontakte nach Deutschland pflegte, habe ich jetzt nur selten Zeit, um dem nachzukommen. Mal klemme ich tagelang hinter einem Projekt oder ich werde spontan eingeladen, so dass ich es nie schaffe in ein Internetcafé zu gehen und zu schreiben. Außerdem brauchte ich immer Stunden um in einem überfüllten, engen und heißen Café etwas zu tippen. In Uganda ist mir erst klar geworden, wie dumm es war ohne Laptop zu fliegen.
Jetzt habe ich mich endlich durchgerungen und mir ein billiges Smartphone gekauft, um die Möglichkeit zu haben Zuhause in aller Ruhe zu schreiben.

Ihr dürft euch auf neue, spannende Berichte in den nächsten Tagen freuen.
Fühlt euch ganz doll gegrüßt,
Elias